Fotografie als Lebenselixier
Vor einigen Tagen starb mein Vater an einem schweren Krebsleiden. Als er vor mehr als 5 Jahren die Diagnose bekam, hieß es, dass er nur noch ein paar Monate zu leben hätte.
Das wollte er nicht hinnehmen und so begann für ihn ein “neues Leben”. Er genoss jeden einzelnen Tag und fing an die “Welt” mit seiner Bridge-Kamera zu erkunden.
Immer wenn es ihm etwas besser ging, zog er los um zu fotografieren. Für ihn war keine Zeit zu früh oder kein Motiv unmöglich.
Ging es ihm schlechter schaute er seine Bilder am Computer an und lies so nochmals die Zeit vorüberziehen, als er die Bilder gemacht hatte. So wurden aus den Tagen Monate und aus den Bildern Archive. Er schöpfte aus jedem seiner Bilder neuen Mut. Seine Familie unterstützte ihn bei seinem Hobby und so wurden auch kleinere Touren in die Umgebung gemacht.
Als ich ihn bei meinen Besuchen beobachtete, merkte ich dass das Fotografieren etwas mit ihm machte und er seine Kraft daraus zog.
Ich besuchte ihn auch in der Zeit als es mir schlecht ging (die Trennung von meiner Frau) und mich faszinierte sein Lebenswille.
Für mich lief es im Leben leider auch nicht immer perfekt, so dass ich sehr oft traurig war und nicht weiter wußte. Ich dachte zuerst, ich muss alles Vorangegange abbrechen, um neu anzufangen. Ich verkaufte meine Kamera (Canon EOS 350D) und das Zubehör. Ich wollte nichts mehr damit zutun haben.
Doch dann kam der Moment, als ich merkte es fehlt mir etwas. Die Kamera war weg und Geld für eine neue hatte ich erstmal nicht. So zog ich los und fotografierte sehr viel mit meinem iPhone.
Das ging schneller und unkomplizierter als gedacht, einen Haken hatte es trotzdem. Ich brauchte immer ausreichend Licht. Das iPhone hat keinen Autofokus, was aber den vorhandenen 2 Megapixel der Kamera zu Gute kommen würde. So sind die Bilder meist etwas schwammig und je dunkler es draußen wurde, desto mehr dann das Rauschen.




Hin und wieder konnte ich mir eine Kamera ausleihen und meine Leidenschaft wurde wieder entfacht. Ich probierte eine Canon 10D, eine Canon 5D Mark II und zu guter letzt eine Nikon D40. Alle hatten etwas gemeinsam, die Bilder wurden schärfer.
Das absolute Highlight ist die 5D. Ich hatte beim Nachbearbeiten deutliche Probleme mit meiner alten Hardware (4 Jahre altes MacBook Pro), aber die Rohdaten waren schon ziemlich perfekt für mich.



Egal welche Bilder man macht, man möchte immer etwas damit ausdrücken. Als ich meine Fotos betrachtete, merkte ich die tiefe Melancholie die darin verborgen war. Ich habe, ohne es vorher zu beabsichtigen, meine Trauer in meinen Bildern verarbeitet.
Das Fotografieren hilft mir trotzdem nach vorne zu schauen und nicht aufzugeben.
Jedes Resultat erfreut mich und gibt mir Ideen für etwas neues. Die Bilder wecken Erinnerungen und halten etwas für die Ewigkeit fest.
Eine große Menge an weiteren Beispielfotos mit den oben genannten Kameras gibt es unter gallery.me.com.
Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr mit dem Fotografieren etwas verarbeitet?
03. April 2010 | Allgemein and Fotografie | 13 Kommentare »






