Die Technik und das Biest (Teil 2)

iPhone Apps
Creative Commons License photo credit: Daniel Y. Go

März 2011:

Ich habe mich von meiner Frau breitschlagen lassen, uns das iPad 2 zu besorgen. Es sei ja vor allem für die Kinder, es gäbe da eine ganze Reihe sinnvoller Apps, bei denen die Kinder auf spielerische Weise Mathematik und Englisch lernen. Außerdem habe es eine Kamera, was ja auch für mich als Hobbyfotografen interessant sein könnte. Ganz toll, ja, eine brauchbare Videofunktion für Fußballplatzfilmer scheint das Teil tatsächlich zu haben, aber Fotos machen mit einem iPad? Das Ergebnis meines ersten Fotoversuches bestätigt meine Zweifel und verrät mir, dass selbst meine Taschenlampe bessere Fotos schießen könnte.

Juni 2011:

Ich sitze mit den Kindern in ihrem Zimmer und erkläre ihnen die Zehnerpotenzen. Dabei schiebe ich kleine Zahlenreihen auf dem Touchscreen hin und her und spreche durch ein Mikrofon mit einem virtuellen Mathelehrer, der eine erstaunlich authentische Strenge vermittelt. Ich bin zugegebenermaßen ein klein wenig angetan, weshalb ich ab jetzt wohl auch meine Aktien über das Teil verwalten werde. Geht ja doch schneller als am Computer.

SONY α NEX-5
Creative Commons License photo credit: raneko

Oktober 2011:

Seit vier Stunden hängt sich unser DSL-Anschluss dauernd auf, weshalb mir der Zugriff auf den AppStore nun schon eine gefühlte Ewigkeit verwehrt ist. Mit einigen neuen Apps, von denen ich gestern gelesen habe, sei die Funktion der iPad Kamera nun endlich zu verbessern. Außerdem sei gestern ein Update für mein Fotobearbeitungsprogramm erschienen, auf welches ich seit Wochen warte. Die Kinder quengeln schon die ganze Zeit und wollen irgendein Spiel spielen, aber ich brauche das iPad gerade, um meine morgendliche Joggingzeit in den Fitnessplaner einzutragen.

Februar 2012:

Da der jährliche Winterurlaub bislang ausgeblieben ist, beschließen wir, heute noch einmal den feinen Schnee, welcher über Nacht gefallen ist, zu genießen und in voller Montur eine Wanderung zu machen.

Meine Frau möchte, dass ich das iPad für die Kinder einpacke, da diese sonst auf der Fahrt wieder unerträglich würden. Gar keine schlechte Idee, dann kann ich meine Canon zu Hause lassen. Da es draußen außerdem ein wenig bewölkt ist, packe ich für die Wettervorhersage sicherheitshalber auch noch mein iPhone ein. Man weiß ja nie!

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Über David.E

David.E, freischaffender Künstler, Autor, Fotograf. Ein Mann mit vielen Gesichtern und wenig Perspektive, mit viel Willenskraft und wenig Euphorie, mit vielen Träumen, aber keinem Glauben. Einer der sich ohne Fäuste durchboxt und mit der Wucht eines Wasserfalls in die Tiefe stürzt, um dann als Dunst wieder empor zu steigen. Ein Mann von Welt.