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Motivflaute oder einfach nicht kreativ?

Vielleicht liegt es an der Jahreszeit oder daran, dass ich meine Erkältung nach vier Wochen noch nicht wirklich los bin. Jedenfalls befinde ich mich fotografisch gerade in einem kleinen Schaffenstief. Da ich das nun erkannt habe, frage ich mich, woran es liegen könnte und wie ich da wieder raus komme.

Vielleicht kennt ihr das auch. Man will keine Blumen mehr fotografieren, will keinen weiteren Sonnenuntergang verewigen und keinen Zoo mehr mit Fotorucksack besuchen. Die ersten 5000 Fotos sind im Kasten und die Begeisterung für all zu bekannte und gewöhnliche Motive lässt stark nach. Doch wo und wie kann ich wieder interessante Motive finden? Und warum sehe ich die Dinge nicht, die in meiner Umgebung fotografierenswert sind?

Wenn ich einen Ausflug mache, mit der Absicht zu Fotografieren, habe ich natürlich meine D-SLR dabei. Meistens mit 17-50 Standardzoom und mit einem Tele im Rucksack. Im Alltag begleitet mich seit Kurzem immer die Lumix LX2. Es liegt also nicht daran, dass ich zum richtigen Zeitpunkt nicht ausgerüstet bin. Trotzdem finde ich momentan nichts wirklich Überzeugendes zum Ablichten. Einige Fotos mache ich schließlich doch. Zu Hause angekommen, ist die Ausbeute meistens ernüchtern schlecht. Da stelle ich mir die Frage: Hätte ein talentierterer Fotograf mit besserem Blick mehr aus dem Foto-Ausflug gemacht? Fehlt mir das Auge für interessante Motive oder stelle ich nicht die richtigen bildgestalterischen Überlegungen an?

Was mich dann aber wieder ermutigt, sind die Bilder, die ich von meinen – viel zu seltenen – Urlaubsreisen mitbringe. Objektiv betrachtet, bietet meine Umgebung (Hamburg) mindestens genauso viele tolle Motive wie jedes erdenkliche Reiseziel. Trotzdem kommen die guten Bilder in der Ferne zustande und nicht zu Hause. Und damit meine ich jetzt nicht die typischen Urlaubsschnappschüsse und Postkartenmotive, sondern wirklich gut umgesetzte und für meine Verhältnisse kreative Bilder mit dem gewissen Etwas.
Woran liegt das? Wahrscheinlich ist der Blick an einem fremden Ort einfach befreit. Im Alltag und im gewohnten Umfeld wird man sozusagen Betriebsblind und nimmt nur noch wenige Dinge bewusst war. Sobald sich aber etwas Neues zeigt, ist der Blick sofort darauf gerichtet. Ich denke da z.B. an die ersten sprießenden Knospen im Frühjahr. Die Lösung wäre also Alltägliches mit der gleichen Aufmerksamkeit zu betrachten wie neue Dinge. Aber ich fürchte, das kann man sich so oft vorbeten wie man möchte, man wird es in der Praxis nicht umsetzen können.
Oft höre/lese ich das Argument, dass man noch so langweilig erscheinende Dinge mit bildgestalterischen Ideen toll in Szene setzen kann. Das stimmt ganz sicher. Mein Problem ist nur, dass ich diesen Dingen von vorn herein nicht genügend Beachtung schenke, um sie überhaupt in Szene setzen zu wollen.

Ich glaube die Lösung für mich lautet: Immer nach neuen Reizen für’s Auge suchen. D.h. Ausflüge und Reise an mir unbekannte Orte machen. Oh Mann, das wird teuer.

Sollte es euch ähnlich gehen wie mir, bin ich für jeden Tipp dankbar.

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23 Kommentare zu “Motivflaute oder einfach nicht kreativ?”

  1. GravatarSam am 06. Mrz 2008 um 12:42 Uhr #

    Wie heisst es noch so schön: “wenn die Ohren hören wollen was das Herz schon weiß” :)

    Du hast es selber schon geschrieben, was du scheinbar gerne möchtest ist auf deine ganz alltägliche Umgebung mit neuen Augen zu gucken als wäre sie unbekannt.
    Also nicht in Gedanken an dein Ziel deinen Weg durch Hamburg ablaufen, sondern wirklich voll in der Gegenwart deine Umgebung zu beachten, neugierig alles bekannte anzuschauen als wäre es neu. Voll Bewusst in der Gegenwart sein, offen sein.

    Das wäre der Weg wenn du in Hamburg genauso offen auf deine Umgebung gucken möchtest. Wenn das dein Ziel ist.

    Denn das ist das wichtige: was ist dein Ziel? Was willst du mit deinen Fotos erreichen? Wozu machst du überhaupt Fotos?

    Mir gehts ähnlich: Als ich vor vier Jahren meine erste DSLR gekauft hab, hab ich alles fotografiert was mir vor die Linse kam. Heutzutage fotografiere ich fast gar nichts mehr spontan. Wozu auch, was soll ich mit dem Foto? Mich kurz freuen, damit es dann auf der Festplatte oder im Album verstaubt?
    Jetzt mache ich Fotos gezielt. Ich fotografiere Veranstaltungen als Erinnerung für die Teilnehmer, oder Bilder für die Webseite von jemand, oder Portraits von jemand. Ich fotografiere nicht mehr um des reinen fotografierens willen, sondern jeweils mit einem Ziel, einem Zweck.

    Mir scheint du bist an dem Wendepunkt angekommen wo du dich fragst wofür du die Fotos eigentlich machst, wo dir der Sinn fehlt, und daher auch die Motivation. Such dir einen Sinn, eine Aufgabe, einen Zweck (schönes Portrait von Freund oder Familie, ein Bild das du übers Sofa hängen willst, etwas zu verschenken an Onkel Heiner, …). Such dir Einschränkungen, wen du fotografieren willst, was du fotografieren willst, wozu du fotografieren willst.

    Setz dir Ziele. Gilt überall im Leben, die Fotografie ist da keine Ausnahme.

    Ich könnte da noch viel mehr zu schreiben, vielleicht sollte ich mal einen Blogbeitrag ansetzen … wenn ich nicht schon so viel in Arbeit hätte… :)

  2. Gravatarmikum am 06. Mrz 2008 um 12:57 Uhr #

    Hi Sam,
    toller Kommentar von dir. Tja, das wäre schon toll, wenn man das Gewohnte immer wieder neu entdecken könnte und sozusagen neugierig bliebe. Nur glaube ich nicht so recht daran, dass man sowas trainieren oder sich einfach vornehmen kann.
    Der Tipp, sich Ziele zu setzen ist sicher gold wert. Ich habe momentan das Ziel besser zu werden. Ich möchte gerne anspruchsvollere Bilder ohne Postkartencharakter machen. Aber ich fürchte, dieses Ziel ist zu diffus. Da müsste ich schon konkreter werden. Kommt Zeit kommt Rat… :)

  3. GravatarSteffen am 06. Mrz 2008 um 13:24 Uhr #

    Ich denke, dass die Jahreszeit eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Wenn der Frühling so richtig loslegt, gibt es sicher wieder mehr lohnenswerte Motive. Außerdem scheint die Sonne wieder länger und läßt einen öfter auf Fotojagd gehen.

    Und übrigens – mir gehts momentan ganz ähnlich :-)

  4. Gravatarmikum am 06. Mrz 2008 um 13:40 Uhr #

    Hallo Steffen,
    gut zu wissen, dass es mir nicht als Einzigem so geht. :)
    Ja, in den Frühling setze ich momentan auch meine Hoffnungen. Aber der Winter kommt jedes Jahr, da muss man sich doch was einfallen lassen, um diese Zeit gut zu nutzen. Na ja, eine kreative Pause ist auch eine Art von Nutzen. ;)

  5. GravatarMartin Boose am 06. Mrz 2008 um 13:58 Uhr #

    Mir geht es da oft nicht anders. Ich denke “Hey heut geh ich mal fotografieren wieder”. Dann bin ich unterwegs und finde einfach nix, entweder weil es einfach nichts gibt oder weil ich alles schon x-Mal fotografiert habe.
    Und wenn ich dann doch noch etwas gefunden habe, sieht es am Kameradisplay meist besser aus als am PC in groß.

    Schöne Kacke.

  6. GravatarSam am 06. Mrz 2008 um 14:11 Uhr #

    Mikum,

    ja, offen und neugierig zu bleiben ist schwer, das denke ich auch.

    Wenn du besser werden willst, greif dir doch einfach mal ein Foto von etwas aus deiner Umgebung (keine Ahnung, Hamburger Michel oder so), und nimm dir das Ziel von dieser Sache ein besseres Foto zu machen. Am besten mit der Überlegung *was* an dem Foto besser sein soll (weniger Ablenkung im Hintergrund, schönere Farben, geeignet für quadratisches Format, sehr breites oder sehr hohes Format etc). Oder fotografier das Ziel aus möglichst vielen unterschiedlichen Perspektiven (Weitwinkel nah dran, von unten, oben, drin, draußen, weit weg, …). Da kommen teils auch ganz gute Sachen und Ideen bei raus.

    Viel Spaß!
    Sam

  7. Gravatarmikum am 06. Mrz 2008 um 14:52 Uhr #

    Werd’ ich mir mal merken. Klingt vernünftig.

  8. Gravatargato am 06. Mrz 2008 um 19:30 Uhr #

    Jo, die Situation kennt wohl jeder… schön beschrieben. Irgendwo hab ich aber den Satz aufgeschnappt “Deine ersten 10.000 Bilder sind Deine schlechtesten” – insofern gibts immer Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und zu verbessern :)

  9. Gravatarmikum am 06. Mrz 2008 um 19:36 Uhr #

    Na dann habe ich ja noch locker 5000 Bilder Schrott vor mir, bevor’s dann richtig losgehen kann. Das beruhigt. ;)

  10. GravatarSam am 06. Mrz 2008 um 20:09 Uhr #

    Siehs positiv: dadurch dass man am Anfang alles und jeden fotografiert lernt man seine Kamera gut kennen :)

  11. Gravatarmario am 10. Mrz 2008 um 00:39 Uhr #

    Wie wahr wie wahr die Kommentare, man(n) ist also nicht allein.
    Ich habe mich auch seit Ewigkeiten nicht mehr fotografisch bemüht oder bemühen können.
    mikum wirds bestätigen können – nicht wahr??
    Habe schon lange keine Bilder mehr hochgeladen.

  12. Gravatarmikum am 10. Mrz 2008 um 09:17 Uhr #

    @mario:
    Vielleicht brauchst du neue Technik als Spielanreiz? Ich kann’s einfach nicht lassen, was? ;)

  13. Gravatarmario am 10. Mrz 2008 um 13:59 Uhr #

    ja wahrscheinlich, aber das liebe geld OHHH MANN

  14. Gravatardoris am 17. Mrz 2008 um 21:41 Uhr #

    vorallem im ersten teil finde ich mich im moment absolut wieder. nur liegt es wohl nicht wirklich am ort im moment. auf dass wir da alle wiede rausfinden…

  15. GravatarSam am 17. Mrz 2008 um 22:31 Uhr #

    Habt ihr das gut!
    Könnte auch gut eine Pause gebrauchen, hab Samstag eine Veranstaltung fotografiert, Sonntag Tänzer-Portraits und heute eine kleine Folk-Aktion dokumentiert, und jetzt warten tausende Bilder darauf gesichtet und teils dokumentiert zu werden.

  16. Gravatarmikum am 17. Mrz 2008 um 22:56 Uhr #

    @Sam:
    Angeber! ;)

  17. GravatarSam am 18. Mrz 2008 um 09:12 Uhr #

    *grins* ich musste einfach mal was gegen diese trübe ‘Das Wetter ist schlecht was fotografier ich nur’ Stimmung gegen setzen :)

  18. Gravatarmikum am 18. Mrz 2008 um 10:21 Uhr #

    @Sam: Schon klar, ein Tritt in den Arsch kann wirklich helfen. :)

    Obwohl ich mich ja nicht sooo positiv über das Fotografieren von Blumen und Blüten geäußert habe –
    “Man will keine Blumen mehr fotografieren…” – wurde ich doch ein bisschen von Sakura ( http://www.flickr.com/photos/sakura-kame/ ) inspiriert. Blüten sind doch nicht sooo langweilig. :)
    Und dann war da noch der Regenfoto-Artikel von Martin ( http://www.picspack.de/blog/20.....genbilder/ ). Da habe ich mich schon beinahe geärgert, dass es immer nur regnete, wenn ich auf Arbeit war, so dass ich das Regenwetter nicht für’s Fotografieren nutzen konnte.
    Also ich könnte resumieren, dass ich mich am eigenen Schopf aus dem kleinen Zwischentief gezogen habe. Hier meine picspack-Uploads der letzten Tage:
    http://www.picspack.de/search......user=mikum

  19. GravatarSam am 18. Mrz 2008 um 16:11 Uhr #

    Cool, sind richtig schön stimmungsvolle Farbkombinationen dabei!

    Eigentlich wollte ich eher mal anregen darüber nachzudenken *warum* du fotografierst.
    Bei den meisten Hobbyfotografen hab ich das Gefühl sie mögen Fotografie, sie mögen die Technik (Kamera etc), sie haben aber keinen echten Grund Fotos zu machen, stattdessen laufen sie umher und suchen sich einen Vorwand um etwas zu fotografieren. Und rumlaufen macht halt mehr Spaß bei gutem Wetter, also sitzen sie bei Regen trübe drinnen.

    Such dir einen guten Grund, dann wirst du auch Fotos finden.

  20. Gravatarmikum am 18. Mrz 2008 um 17:17 Uhr #

    Na ja, was heißt einen guten Grund suchen? Ein Grund ist für mich ein gutes Motiv das mir gefällt. Und das kann eben Vieles sein, auch Dinge von denen man vor der Tour nicht wusste, dass man ihnen begegnet. Wenn diese Begegnungen aber ausbleiben, ja dann kann eine gewisse Planung sicherlich nicht schaden.

    In den letzten Tagen war es bei mir eigentlich so:

    Ich hatte einen gewissen Plan, nämlich die ersten Blüten mit wenig Schärfentiefe einzufangen. Also bin ich mit meinem Tokina 100/f2.8 losgezogen. Neben einigen Blüten sind mir dann auch noch andere Motive untergekommen, die ich gerne mitgenommen habe. Also eine gute Mischung aus Planung und Zufall. :)

  21. GravatarSam am 25. Mrz 2008 um 12:19 Uhr #

    Ich überleg grad ob das der Unterschied zwischen Hobby-Fotografie und Profi-Fotografie sein könnte:
    Hobby-Fotografie wäre dann, wenn man fotografiert was schön aussieht, einem gefällt.
    Und Profi-Fotografie wäre wenn man einen Auftrag, ein Ziel, einen Grund hat, und sich dann überlegt wie man den fotografisch umsetzt?

    Klar machen die meisten Fotografen Fotos in beiden Kategorien, was ja auch passt, der Übergang ist ja auch fliessend.

    Würde das Sinn machen?

  22. Gravatarmikum am 26. Mrz 2008 um 10:13 Uhr #

    Das macht Sinn.

  23. GravatarJulia Stern am 12. Apr 2008 um 14:41 Uhr #

    So geht es mir manchmal auch. Das kommt einfach vor. Vielleicht hilft es dir, wenn du ein Fotoprojekt planst, sodass du also auf ein klares Ziel “hinarbeitest”. Das kann manchmal ganz schön motivierien und auch die Kreativität ankurbeln. Ansonsten schau dir andere Portfolios an, vielleicht inspiriert dich das auch ein wenig.

    Und wenn man überhaupt nichts los ist hilft es manchmal auch einfach eine Pause zu machen.

    Liebe Grüße
    Julia

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